
Eine Wohnung unter dem Dach, nach Süden ausgerichtet, mit zwei großen Fenstern ohne Rollläden: Im Juli kann die Innentemperatur bereits ab dem späten Vormittag mehrere Grad über der Außentemperatur liegen. Bevor man an Klimaanlagen denkt, ist es sinnvoll, das Problem an der Quelle anzugehen, also auf der Ebene des Glases und seiner unmittelbaren Umgebung.
Thermische Verzögerung und Verglasung: Was das Fenster wirklich durchlässt
Oft wird über die Isolierung von Wänden oder Dächern für den Sommerkomfort gesprochen, aber das Fenster bleibt das schwächste Glied. Die Sonnenstrahlung durchdringt das Glas fast sofort, ohne die Verzögerung, die eine dicke Steinmauer oder ein dichtes biobasiertes Isoliermaterial bietet.
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Eine klassische Doppelverglasung lässt einen erheblichen Teil der Sonnenenergie herein. Hier zählt der solare Faktor des Glases (g), der den Anteil der Wärme misst, der ins Innere übertragen wird. Je niedriger dieser Faktor ist, desto weniger heizt das Fenster den Raum auf.
Um die Lösungen zur Isolierung von Fenstern zu erkunden, müssen zwei Strategien unterschieden werden: die Strahlung zu blockieren, bevor sie das Glas erreicht (äußere Schutzmaßnahmen) oder ihre Übertragung durch das Glas selbst zu begrenzen (integrierte Sonnenkontrolle).
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Der äußere Schutz ist immer effektiver als der innere Schutz. Ein Innenrollo oder ein dicker Vorhang absorbiert die Wärme, aber diese ist bereits im Raum. Das Glas hat sich erwärmt, die Luft zwischen dem Vorhang und dem Fenster steigt in der Temperatur, und diese Wärme breitet sich schließlich aus.

Sonnenschutzverglasung: Eine Alternative zu ständig geschlossenen Rollläden
In den letzten Jahren haben sich Sonnenschutzverglasungen erheblich weiterentwickelt. Ihr Prinzip: Eine mikroskopisch dünne Metallschicht, die auf das Glas aufgebracht wird, reflektiert einen großen Teil der Infrarotstrahlung (Wärme), während sie das sichtbare Licht durchlässt.
Die neuesten Generationen, wie die von Saint-Gobain Glass entwickelten (Cool-Lite XTREME oder SKN), weisen einen sehr niedrigen solaren Faktor auf und behalten gleichzeitig eine hohe Lichtdurchlässigkeit. Man erhält einen hellen Raum ohne Überhitzung, was verhindert, dass man von Juni bis September mit geschlossenen Rollläden leben muss.
Diese Art der Verglasung ist eine glaubwürdige Antwort auf die wiederholten Hitzewellen, die seit 2023-2024 beobachtet werden, insbesondere in Wohnungen mit großen Fensterfronten oder Wintergärten. Der Aufpreis im Vergleich zu einer Standard-Doppelverglasung ist auf den nach Süden und Westen ausgerichteten Fassaden gerechtfertigt, wo der solare Gewinn maximal ist.
Wenn die selektive Verglasung nicht ausreicht
In einem Wintergarten oder auf einem verglasten Dach kann selbst eine gute selektive Verglasung bei Hitzespitzen überfordert sein. In diesen Konfigurationen kombiniert man in der Regel die Verglasung mit einem äußeren Sonnenschutz (Screen-Rollo oder verstellbare Sonnenschutzlamellen). Die Rückmeldungen variieren in diesem Punkt je nach Ausrichtung und Höhe, aber die Kombination beider bleibt der empfohlene Standard im Neubau gemäß RE2020.
Sonnenschutzfolie am Fenster: Inneneinbau oder Außeneinbau, die Wahl, die alles verändert
Die Sonnenschutzfolie ist die zugänglichste Lösung bei Renovierungen. Sie wird direkt auf das vorhandene Glas geklebt, ohne das Fenster zu wechseln. Die Fachleute für die Montage weisen jedoch auf einen deutlichen Unterschied zwischen Innen- und Außenfolie hin.
- Die außen angebrachte Folie fängt die Strahlung ab, bevor sie das Glas durchdringt. Sie reduziert die übertragene Wärme viel effektiver als eine Innenfolie und begrenzt auch die Erwärmung des Glases selbst.
- Die innen angebrachte Folie ist einfacher zu installieren und weniger den Witterungsbedingungen ausgesetzt, lässt jedoch das Glas in der Temperatur steigen. Bei einer Doppelverglasung kann diese Überhitzung des Glases langfristig die Dichtungen des Isolierglases schwächen.
- Bei Einfachverglasung ist die Außenfolie die einzige vernünftige Wahl, um im Sommer ein spürbares Ergebnis zu erzielen, da das Glas keine eigene thermische Barriere bietet.
Bevor man eine Folie anbringt, sollte man überprüfen, ob das Glas die thermische Belastung aushält. Einige Verbund- oder getönte Gläser absorbieren mit einer Folie mehr Wärme, was zu thermischen Brüchen führen kann. Eine schnelle Diagnose durch den Monteur kann dieses Risiko ausschließen.

RE2020 und Sommerkomfort: Was die Vorschriften jetzt vorschreiben
Seit dem 1. Januar 2022 hat die RE2020 einen spezifischen Indikator eingeführt: die Gradstunden des Unbehagens (DH). Diese Berechnung misst die kumulierte Zeit, während der die Innentemperatur einen Komfortschwellenwert im Sommer überschreitet.
Eine Wohnung, deren Fenster zu viel sommerliche Wärme hereinlässt, wird durch diesen Indikator benachteiligt. In der Praxis zwingt dies die Bauherren, bereits in der Planungsphase feste Sonnenschutzmaßnahmen (Vordächer, Sonnenschutz) oder Verglasungen mit niedrigem solaren Faktor an exponierten Fassaden zu integrieren.
Für die Renovierung gilt die RE2020 nicht direkt. Allerdings beeinflussen die DH-Kriterien bereits die Empfehlungen der thermischen Ingenieurbüros bei einer energetischen Bewertung. Ein umfassendes Renovierungsprojekt, das den Sommerkomfort ignoriert, könnte in den immer heißeren Sommern schnell an Wert verlieren.
Äußere Schutzmaßnahmen: Was konkret funktioniert
Zusätzlich zur Verglasung bleiben mechanische Schutzmaßnahmen das stärkste Mittel gegen die Hitze:
- Rollläden oder Fensterläden, die während der Stunden direkter Sonneneinstrahlung geschlossen sind, blockieren nahezu die gesamte Strahlung. Dies ist die einfachste und kostengünstigste Lösung, wenn die Fenster bereits damit ausgestattet sind.
- Außen-Screen-Rollos filtern die Sonne und lassen gleichzeitig diffuses Licht und Luft durch. Sie sind besonders geeignet für große Fensterfronten, bei denen man die Aussicht erhalten möchte.
- Verstellbare Sonnenschutzlamellen kombinieren modulare Sonnenkontrolle und natürliche Belüftung. Ihr Winkel kann je nach Sonnenstand eingestellt werden, was sie von morgens bis abends effektiv macht.
Die thermische Isolierung von Fenstern gegen Hitze beginnt vor allem mit dem, was sich vor dem Glas befindet, nicht dahinter. Ein thermischer Vorhang bietet eine Ergänzung, ersetzt jedoch keinen gut dimensionierten äußeren Schutz. Bevor man in einen Austausch der Verglasung oder die Anbringung einer Folie investiert, sollte man zunächst die bereits vorhandenen Rollläden und Jalousien vollständig nutzen und dann zwischen den anderen Optionen je nach Ausrichtung, Budget und Fenstertyp abwägen.